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Research Spotlight 2018-04: Vom Smartphone ins Wohnzimmer der Konsumenten:Digitale Sprachassistenten

 

Research Spotlight: Digitale Sprachassistenten Das Smartphone ist seit zehn Jahren der Innovationsmotor für die Consumer Technology. Als universale Steuerungszentrale hat es dafür gesorgt, dass nicht nur die Unterhaltungselektronik immer vernetzter ist, sondern auch Haushaltsgeräte und alltägliche Gebrauchsgegenstände internetfähig geworden sind. Seit nunmehr einigen Jahren wird die Multifunktionalität des Smartphones um die Steuerung per Sprachbefehl erweitert. Über alle Smartphone-Betriebssysteme hinweg nutzen mittlerweile drei von vier Smartphone-Nutzern (77 Prozent), deren Smartphone mit der Sprachtechnologie ausgestattet ist, zumindest gelegentlich die Sprachsteuerung. Damit haben die Smartphone-Sprachassistenten den stationären Sprachassistenten nicht nur den Weg in den Alltag der Nutzer vorbereitet, indem sie erste Anwendungsmöglichkeiten aufgezeigt haben, sie sind auch technologischer Wegbereiter. Denn die auf künstlicher Intelligenz basierende Sprachtechnologie der Smartphones bildet die Grundlage der stationären Sprachassistenten, integriert in intelligente Lautsprecher.
 
Ende 2016 kam der erste Smart Speaker in Deutschland auf den Markt. Seitdem haben es die stationären Sprachassistenten in kürzester Zeit zu einer breiten Bekanntschaft in der Bevölkerung gebracht. Im Mai 2018 haben bereits 84 Prozent der Bundesbürger ab 14 Jahren von Smart Speakern gehört oder gelesen. Etwa ein Jahr zuvor waren es erst zwei Drittel (69 Prozent), zum Deutschlandstart Ende 2016 nur jeder Zwanzigste (5 Prozent). Die smarten Sprachboxen sind von überall in Hörweite zu bedienen. Nutzer können per Zuruf das Licht oder die Heizung regeln, das Fernsehprogramm oder die Musikauswahl steuern, während sie den Abwasch oder andere Haushaltstätigkeiten erledigen – vorausgesetzt, die entsprechenden Geräte lassen sich mit den Sprachassistenten verbinden.
 
In den letzten Monaten verging kaum eine Woche ohne neue Werbeangebote für digitale Sprachassistenten. Abseits des üblichen Online-Preiskampfs gab es die Smart Speaker zum Beispiel im Doppelpack zu stark reduzierten Preisen oder im Paket mit einem vernetzbaren Streaming-Media-Adapter. Für den Erwerb eines hochpreisigen Smartphones erhielt der Käufer die Einsteigervariante eines Sprachassistenten auch mal kostenfrei dazu. Die Marktoffensive der Anbieter macht sich nun auch in der Nutzung digitaler Sprachassistenten bemerkbar. Jeder achte Bundesbürger ab 18 Jahren (13 Prozent) nutzt bereits einen Smart Speaker in seinem Haushalt. Weitere 4 Prozent haben ihre Entscheidung zum Kauf bereits getroffen und wollen in den kommenden zwölf Monaten in ein entsprechendes Gerät von Amazon, Google, Apple oder Microsoft investieren. Mehr als jeder Vierte (27 Prozent) interessiert sich zudem für die künstliche Intelligenz aus der Sprachbox und kann sich vorstellen, zukünftig Sprachbefehle zu erteilen. Hatten Ende Oktober 2016 überhaupt erst 5 Prozent der Bundesbürger von den Sprachassistenten gehört, stoßen sie nicht mal zwei Jahre später bereits bei fast jedem zweiten auf Interesse oder werden bereits genutzt.
 
Besitz, Kauf und Nutzungsinteresse digitale Sprachassistenten
 
Diese Entwicklung ist erstaunlich, steht aber wahrscheinlich noch ganz am Anfang. Das Angebot der aktuell zur Verfügung stehenden Anwendungen für digitale Sprachassistenten, die sogenannten Skills bzw. Actions, ist dennoch bereits vielfältig. Die meisten Nutzer der Smart Speaker schätzen die Möglichkeit, ihr Gerät mit weiteren Smart-Home-Devices zu verbinden. Sieben von zehn Nutzern (70 Prozent) schalten das Licht zuhause per Sprache ein und aus oder regeln die Temperatur der Heizung. Für ein Drittel (37 Prozent) derjenigen, die Smart-Home-Anwendungen besitzen, ist die Sprachsteuerung bereits zu einem wichtigen Bedienelement ihrer intelligenten Rollläden, Alarmanlagen oder Video-Überwachungen geworden – gleich hinter den mobilen Steuerungszentralen Smartphone (76 Prozent) und Tablet (44 Prozent) und gleichauf mit der Geräte-Fernbedienung (38 Prozent). Auch unter denjenigen, die Interesse an Sprachassistenten zeigen, wird die Haus- bzw. Wohnungssteuerung am häufigsten genannt (69 Prozent). Dieser Entwicklung sind sich auch die Hausgeräte-Hersteller bewusst, die bereits zunehmend mit der Kompatibilität ihrer smarten Geräte zu den verschiedenen digitalen Assistenten werben.
 
Auch bei der am zweithäufigsten genannten Anwendungsmöglichkeit sind sich Nutzer und Interessenten einig. Sieben von zehn Nutzern (69 Prozent) wählen per Sprachbefehl Musiktitel oder Radiosender aus, vier von zehn Interessenten (42 Prozent) würden dies tun wollen. Die Zahl der Interessenten hat sich damit im Vergleich zum Vorjahr (23 Prozent) nahezu verdoppelt. Das gestiegene Interesse hängt sicherlich auch mit den Sprachassistenten selbst zusammen: Ende 2017 haben einige Anbieter ihre Smart Speaker in größerer Bauform auf den Markt gebracht. Diese bieten mehr Platz für den Einbau qualitativ hochwertiger Lautsprecher, steigern damit die Klangqualität und befeuern den Musikkonsum.
 
Gewünschte und genutzte Anwendungen digitale Sprachassistenten
 
Dahinter folgen eine Reihe von Informationsfunktionen: Jeweils jeder dritte Nutzer fragt per Sprachassistent Abfahrtszeiten der öffentlichen Verkehrsmittel (34 Prozent) oder Verkehrsnachrichten (32 Prozent) ab. Jeder Vierte (27 Prozent) lässt sich über aktuelle Sportergebnisse informieren, jeweils jeder Fünfte bestellt ein Taxi (22 Prozent) oder stellt ganz allgemein Suchanfragen (21 Prozent). Bei den Interessenten zeigt sich ein ähnliches Bild, wobei die meisten zunächst allgemeine Suchanfragen stellen wollen (41 Prozent). Erst danach wird Interesse an konkreten Informationsmöglichkeiten geäußert, wie dem Abruf von Verkehrsnachrichten (40 Prozent), von aktuellen Sportergebnissen (40 Prozent) oder von Busfahrtzeiten (18 Prozent).
 
Zur Organisation beruflicher Termine und Mails wie auch dem Privatleben werden die Sprachassistenten ebenfalls bereits genutzt und bergen weiteres Nutzungspotenzial in sich. Mehr als jeder fünfte Nutzer hat per Spracheingabe bereits seinen Kalender aktualisiert (24 Prozent) oder kann sich vorstellen, dies zu tun (22 Prozent). Das Vorlesen bzw. Diktieren von E-Mails oder Kurznachrichten ist hingegen noch nicht sehr verbreitet. Die wenigsten sprechen ihre Nachrichten in den digitalen Sprachassistenten (8 Prozent) oder würden dies gerne tun (13 Prozent). Jeweils etwa doppelt so viele lassen sich persönliche Mitteilungen von der künstlichen Intelligenz vortragen (15 Prozent) oder interessieren sich für diese Funktion (27 Prozent).
 
Die Anwendungsmöglichkeiten von digitalen Sprachassistenten werden laufend mehr und dürften zukünftig weit über einfache Sprachbefehle zur Organisation des Alltags hinausgehen. So kann man sich bereits über die aktuellen Kurse seines Aktienportfolios informieren lassen oder einfache Versicherungsanfragen oder Services wie Adressänderungen per Sprache einleiten. Auch der Bitkom experimentiert bereits mit Smart Speakern und hat bereits zwei Alexa-Skills in Eigenregie entwickelt. Einer der beiden Bitkom-Skills verliest auf Anfrage die jeweils tagesaktuelle Pressemitteilung des Bitkom. Im zweiten Skill „Die Digitalexperten“ können Nutzer hingegen Fragen zu Digitalthemen stellen und erhalten ausgewählte Studienergebnisse zum entsprechenden Themenbereich.
 
Trotz allem existieren weiter Vorbehalte gegenüber den geduldigen digitalen Zuhörern. Um ein normales Gespräch von einem Sprachbefehl zu unterscheiden, warten die Geräte auf eines der vorab definierten Aktivierungswörter. Einmal aktiviert, wird die Sprachanweisung aufgenommen und an einen Server geschickt, der in den Daten die relevanten Informationen erkennt, entsprechend verarbeitet und anschließend eine Antwort an den Sprachassistenten zurückspielt. Ein Vorgang, der insgesamt im Bruchteil einer Sekunde erfolgt. Trotz der Versicherung der Hersteller, dass die verbauten Mikrofone nur das gesprochene Wort übermitteln, welches nach dem Aktivierungscode gesagt wird, macht sich ein Großteil Gedanken um den Datenschutz. Deutlich mehr als jeder zweite der Befragten, die kein Interesse an digitalen Sprachassistenten haben, sorgt sich um seine Daten (58 Prozent) oder befürchtet, von Dritten unbefugt abgehört zu werden (57 Prozent).
 
Ein vergleichbarer Anteil braucht nach eigener Aussage schlichtweg keine Sprachassistenten (56 Prozent). Nahezu jedem Dritten ist die Rechtslage rund um das Thema noch unklar (30 Prozent) und jeder Vierte möchte seine Geräte grundsätzlich nicht sprachlich steuern (25 Prozent). Dass die Sprachassistenten zuletzt immer wieder zu reduzierten Preisen oder im Rahmen von Sonderangeboten zu kaufen waren, ist offensichtlich auch den Verbrauchern nicht entgangen. Lediglich 7 Prozent derjenigen, die kein Interesse an Sprachassistenten haben, begründen dies mit einem zu hohen Preis. Im vergangenen Jahr waren es noch 16 Prozent.
 
Mit den digitalen Sprachassistenten hat sich somit innerhalb kürzester Zeit eine neue Geräte-Kategorie innerhalb der Unterhaltungselektronik gebildet. Für weitere Trends und Entwicklungen im Bereich der Connected Consumer Technology, wie z.B. Connected Video, Connected Audio, Wearables, Virtual Reality und Augmented Reality empfehlen wir Ihnen die Lektüre unseres aktuellen Studienberichtes „Die Zukunft der Consumer Technology – 2018“.
 
Hinweis zur Methodik: Die hier dargestellten Ergebnisse basieren auf repräsentativen Bevölkerungsumfragen von Bitkom Research.