Research Spotlight 2018-03: EU-Datenschutz-Grun...

Research Spotlight 2018-03: EU-Datenschutz-Grundverordnung

 

Research Spotlight Social Media: Fast alle, fast immer und fast überall 3 von 4 Unternehmen verfehlen die Frist der Datenschutz-Grundverordnung*
Die EU-Datenschutz-Grundverordnung (DS-GVO) ist in den vergangenen Wochen und Monaten eines der vorherrschenden Themen in den Medien gewesen. Am 25. Mai 2018 endete nun die zweijährige Übergangsfrist und die europaweit einheitlichen Regeln des Datenschutzes sind in Kraft getreten. Grund genug für Bitkom Research im Auftrag des Bitkom kurz vor Inkrafttreten der DS-GVO noch einmal die deutsche Wirtschaft zum aktuellen Umsetzungsstand zu befragen.
 
Die mediale Präsenz des Themas ist auch an den Unternehmen nicht vorbei gegangen. Im Vergleich zu vorangegangenen Befragungen war die DS-GVO erstmals allen der 505 befragten Unternehmen ausnahmslos bekannt. Doch von der Kenntnis bis zur Umsetzung ist es ein weiter Weg. Denn nur ein Viertel (24 Prozent) der Unternehmen in Deutschland ist bis zum 25. Mai 2018 aus eigener Perspektive vollständig konform mit den neuen Regeln. Jedes dritte Unternehmen (32 Prozent) wird sie größtenteils umgesetzt haben, ebenso viele (33 Prozent) zumindest teilweise. Ganz am Anfang stehen auch am Stichtag noch 4 Prozent der Unternehmen. 2 Prozent sagen, sie werden bis dahin nicht einmal mit ersten Schritten begonnen haben.
 
Ein Leben ohne Social Media für jeden Dritten unvorstellbar
 
Datenschutz-Grundverordnung stellt auch viele Startups vor Probleme**
Der Umsetzungsstand der DS-GVO in Startups ergibt ein vergleichbares Bild, wie eine weitere Erhebung von Bitkom Research unter mehr als 300 Startups zeigt. Demnach hat jedes elfte Startup (9 Prozent) die Umsetzung bereits abgeschlossen. Weitere 41 Prozent haben zum Erhebungszeitpunkt im März und April 2018 zumindest bereits erste Maßnahmen begonnen oder umgesetzt. In jedem dritten Startup (32 Prozent) war man aber gerade erst dabei, sich mit dem Thema zu beschäftigen, ohne Maßnahmen eingeleitet zu haben. Und rund jedes Siebte (15 Prozent) blieb bis dato völlig tatenlos.
 
Die Datenschutz-Grundverordnung spaltet die Meinungen*
Bei der grundsätzlichen Bewertung der DS-GVO ergibt sich ein gespaltenes Meinungsbild. So erwarten sieben von zehn Unternehmen (70 Prozent), dass die DS-GVO zu einheitlicheren Wettbewerbsbedingungen in der EU führt. Gut die Hälfte (51 Prozent) sagt, dass sie ein Wettbewerbsvorteil für europäische Unternehmen ist und dass die DS-GVO sogar dem eigenen Unternehmen Vorteile bringt (43 Prozent). Demgegenüber steht auch Kritik. Die Hälfte glaubt (50 Prozent), dass Geschäftsprozesse komplizierter werden. Mehr als jeder dritte Datenschutz-Verantwortliche (38 Prozent) rechnet damit, dass die DS-GVO die Digitalisierung in Europa bremst. Ebenfalls jeder Dritte (34 Prozent) sieht einen Wettbewerbsnachteil für europäische Unternehmen. Für 9 Prozent stellt die Verordnung sogar eine Gefahr für die eigene Geschäftstätigkeit dar.
 
Datenschutz hemmt den Einsatz neuer Technologien***
Die Ergebnisse gehen mit einer weiteren aktuellen Erhebung von Bitkom Research im Auftrag des Bitkom unter 604 Unternehmen ab 20 Mitarbeitern in Deutschland einher. Viele Unternehmen und Organisationen prüfen derzeit, wie sie durch digitale Technologien neue Angebote entwickeln und wettbewerbsfähiger werden können. Beim konkreten Einsatz sehen sie dann viele Hürden – gerade auch durch Datenschutzauflagen. Das sagen fast zwei Drittel der Unternehmen in Deutschland (63 Prozent). Damit ist der Datenschutz das meistgenannte Hindernis beim Einsatz neuer Technologien. Vor allem der Handel empfindet Datenschutzanforderungen als Hindernis beim Einsatz neuer Technologien. Vier von fünf Handelsunternehmen (80 Prozent) geben dies an. Mit 57 Prozent ist der Datenschutz auch in der Industrie die meistgenannte Hürde, im Dienstleistungssektor sind für mehr als die Hälfte (53 Prozent) der Unternehmen Datenschutzanforderungen problematisch, wenn neue Technologien zum Einsatz kommen sollen.
 
Zentrale Herausforderung: der zukünftige Mehraufwand*
Auch zu den Herausforderungen im Rahmen der Umsetzung durften sich die Unternehmen äußern. Laut Umfrage sahen zwei von drei Unternehmen (66 Prozent), die sich mit der DS-GVO auseinandergesetzt haben, als größte Herausforderung bei der Umsetzung den schwer abschätzbaren Aufwand an. Im vergangenen Jahr sagten dies erst 54 Prozent. Mehr als die Hälfte (56 Prozent) beklagte Rechtsunsicherheit (2017: 42 Prozent). Der Mangel an qualifizierten Mitarbeitern war für ein Viertel (24 Prozent) eine große Herausforderung, im Jahr 2017 gaben dies 17 Prozent an. Auch nach der abgeschlossenen Umsetzung der DS-GVO planen viele Unternehmen mehr Ressourcen für den Datenschutz ein. Sechs von Zehn (58 Prozent) erwarten dauerhaft mehr Aufwand wegen der neuen Datenschutzregeln, ein Drittel (32 Prozent) sogar deutlich mehr Aufwand. Ähnlich viele (34 Prozent) sehen einen gleichbleibenden Aufwand, ein deutlicher Rückgang zum Vorjahr. Damals rechnete noch fast die Hälfte (45 Prozent) mit einem ähnlichen Pensum wie zuvor. Kein einziges Unternehmen erwartet weniger Arbeit durch die neuen Datenschutzregeln.
 
Unternehmen fordern Nachsicht von den Aufsichtsbehörden*
Vor dem Hintergrund der zahlreichen Herausforderungen, aber auch des noch nachholbedürftigen Umsetzungsstandes in den Unternehmen, verwundert es wenig, dass der Wirtschaft ein kulantes Verhalten der Behörden willkommen wäre. So plädieren vier von zehn befragten Unternehmen (41 Prozent) für eine verlängerte Schonfrist nach dem 25. Mai, bei der mögliche Sanktionen ausgesetzt würden. Die Hälfte (49 Prozent) von ihnen wünscht sich, dass die Aufsichtsbehörden bei Verstößen zunächst nur zu Nachbesserungen auffordern sollten. Nur jedes hundertste Unternehmen sagt, dass die vorgeschriebenen Sanktionen ausgeschöpft werden sollten.
 
Mobile first gilt auch für Social Media
 
Der 25. Mai 2018 ist nun Geschichte. Doch das Thema DS-GVO wird uns weiter begleiten; in den Unternhemen, in den Medien -  spätestens dann, wenn die Aufsichtsbehörden das erste Unternehmen sanktionieren und zur Kasse bitten werden.
 
Weitere Ergebnisse zur EU-Datenschutzgrundverordnung können Sie in den Unterlagen zur Pressekonferenz vom 17. Mai 2017 nachlesen.
 
Um Datenschutz und e-Privacy geht es auch auf der Bitkom Privacy Conference am 27. September 2018 in Berlin.
 
*Hinweis zur Methodik: Grundlage der Angaben ist eine Umfrage, die Bitkom Research im Auftrag des Bitkom durchgeführt hat. Dabei wurden 505 für den Datenschutz verantwortliche Personen (Betriebliche Datenschutzbeauftragte, Geschäftsführer, IT-Leiter) von Unternehmen aller Branchen ab 20 Mitarbeitern in Deutschland telefonisch befragt. Die Umfrage ist repräsentativ.
 
**Hinweis zur Methodik: Grundlage der Angaben ist eine Online-Umfrage, die Bitkom Research im Auftrag des Bitkom durchgeführt hat. Dabei wurden 302 IT- und Internet-Startups in Deutschland befragt.
 
***Hinweis zur Methodik: Grundlage der Angaben ist eine Umfrage, die Bitkom Research im Auftrag des Bitkom durchgeführt hat. Dabei wurden 604 Unternehmen aller Branchen ab 20 Mitarbeitern in Deutschland telefonisch befragt. Die Umfrage ist repräsentativ.