Research Spotlight 2017-04: Steuerungszentrale ...

Research Spotlight 2017-04: Steuerungszentrale Smartphone

 

Research Spotlight Zukunft der Consumer Technology 2017 Zehn Jahre ist es her, dass Apple das erste iPhone präsentierte. Innerhalb nur eines Jahrzehnts ist das Smartphone von einem Nischenprodukt zu einem unverzichtbaren Begleiter im Alltag geworden. So schnell hat sich bislang keine andere Technologie verbreitet und mit ihr ein ganzes Jahrzehnt geprägt – eine mobile Dekade.
 
Acht von zehn Deutschen ab 14 Jahren (81 Prozent) nutzen im Jahr 2017 ein Smartphone. Das entspricht etwa 56 Millionen Menschen in Deutschland. Vor einem Jahr waren es noch 76 Prozent, 2012 sogar erst 36 Prozent. Praktisch jeder, der unter 50 Jahre alt ist, nutzt ein Smartphone. Bei den 14- bis 29-Jährigen sind es 95 Prozent und bei den 30- bis 49-Jährigen 97 Prozent. Bei den 50- bis 64-Jährigen sind es 88 Prozent und bereits vier von zehn (41 Prozent) Deutschen in der Generation 65+ sind Smartphone-Nutzer. Sieben von zehn Smartphone-Nutzern geben an (71 Prozent), sich ein Leben ohne Smartphone gar nicht mehr vorstellen zu können.
 
Sehr zur Freude der Hersteller, denn auch im zehnten Jahr nach Einführung der ersten Smartphones ist die Nachfrage ungebrochen: 2017 werden in Deutschland voraussichtlich 24,07 Millionen Geräte verkauft. Damit bleibt der Absatz gegenüber 2016 mit 24,22 Millionen Geräten zwar praktisch unverändert. Die Umsätze legen jedoch um 4 Prozent von 9,36 auf 9,77 Milliarden Euro zu. Der Grund für die positive Umsatzentwicklung ist die steigende Nachfrage nach größeren Smartphones, sogenannten Phablets. Diese Geräte sind größer als 5,5 Zoll sowie in der Regel leistungsstärker und teurer. Die Verkaufszahlen bei Phablets legen überdurchschnittlich stark um 8 Prozent auf rund 5 Millionen Stück zu. Damit ist jedes fünfte verkaufte Smartphone ein Phablet. Deren Durchschnittspreis mit 615 Euro deutlich über dem für kleinere Smartphones mit 352 Euro liegt.
 
Nutzung der Smartphone-Funktionen
 
Der Grund für diese hohe Verbreitung liegt im universellen Charakter des Smartphones, das zur Steuerungszentrale einer digitalen und vernetzten Welt geworden ist. Zwar steht an erster Stelle der genutzten Funktionen noch immer die Kernfunktion des Telefonierens, die von allen genutzt wird. Dahinter differenzieren sich die Anwendungsfelder aber immer weiter aus: Es folgen Foto- und Videokamera (90 Prozent) und Suchmaschine (79 Prozent). Rund zwei Drittel hören Musik (69 Prozent), lesen Nachrichten (69 Prozent), bewegen sich in sozialen Netzwerken (68 Prozent) und nutzen Navigations- und Kartendienste (64 Prozent). Darauf kommen Kurznachrichtendienste wie WhatsApp (62 Prozent), die Weckerfunktion (61 Prozent), SMS (58 Prozent) und E-Mails (53 Prozent). Knapp jeder Zweite nutzt Mobile-Banking (46 Prozent), Gesundheits-Apps (45 Prozent) und Online-Shopping (43 Prozent), gut jeder Fünfte Dating-Dienste (22 Prozent) und jeder Sechste eine Ticket-Funktion (17 Prozent). Bei der Vielzahl der Anwendungsfelder verwundert es kaum, dass 80 Prozent der Smartphone-Nutzer sagen, dass Smartphones für sie eine große Erleichterung im Alltag sind.
 
Es ist diese Multifunktionalität des Smartphones, die in den vergangenen zehn Jahren besonders Einfluss auf die Entwicklung der klassischen Consumer Electronics genommen hat. Die klassische Consumer Electronics ist vollständig digitalisiert worden und mit der folgenden Vernetzung sind neue Geräte und Dienste entstanden, an die bis dahin nicht zu denken war. Dazu gehören beispielsweise Wearables wie Fitness Tracker, Video- und Musikstreaming sowie eine Vielzahl an IoT-Anwendungen.
 
Fitness- oder Activity-Tracker zählen Schritte, zeichnen die Laufstrecke auf oder berechnen den Kalorienverbrauch. Die Geräte mit ihren Sensoren werden am Körper oder der Kleidung getragen und lassen sich u.a. mit dem Smartphone verbinden, um die gesammelten Daten über Bluetooth in der dazugehörigen App grafisch darzustellen. Fitness-Tracker sind zurzeit die erfolgreichste Produktkategorie unter den Wearables und für 2017 werden 1,55 Millionen verkaufte Geräte erwartet.
 
Die immer größer werdenden Smartphone-Displays führen dazu, dass Bewegtbild-Inhalte zunehmend mobil genutzt werden. Nahezu drei von vier Videostreaming-Nutzern (72 Prozent) verwenden hierzu bereits auch ihr Smartphone. Damit reicht das Smartphone zwar nicht an den Laptop (89 Prozent) oder das Tablet (86 Prozent) heran, ist aber etwa gleichauf mit dem Desktop-PC (73 Prozent) und dem Fernseher (71 Prozent).
 
Musikstreaming-Dienste wie Spotify, Deezer und Co. bieten ihren Nutzern eine Auswahl aus Millionen von Songs. Diese kann man sich für unterwegs herunterladen oder sich in den eigenen vier Wänden per Smartphone mit vernetzbaren Audiogeräten verbinden und Musik in jeden Raum bringen. Entsprechend wächst auch der Umsatz des Audiosegments in 2017 erneut. Ein Umsatzwachstum ist jedoch ausschließlich bei vernetzbaren Audioprodukten zu verzeichnen. Nicht internetfähige Audiosysteme werden immer weniger nachgefragt.
 
Absatzentwicklung der Geräte
 
Dies ist nur ein erstes Beispiel für die vom Smartphone ausgehende Substitution. Zum dritten Mal wird der Umsatz mit Smartphones 2017 höher ausfallen als der Gesamtumsatz klassischer Consumer Electronics: 9,77 Milliarden Euro gegenüber 9,44 Milliarden Euro. Durch die Multifunktionalität des Smartphones werden auch Produkte wie digitale Kompaktkameras, mobile Navigationsgeräte und MP3-Player substituiert. Diese Entwicklung lässt sich deutlich im Zeitverlauf verfolgen. 2008 wurden in Deutschland 5 Millionen Smartphones verkauft sowie 9,32 Millionen Digitalkameras, 4,33 Millionen mobile Navigationsgeräte und 7,79 Millionen MP3 Player. 2017 werden es voraussichtlich 24,07 Millionen Smartphones und nur noch 2 Millionen Digitalkameras, 1,28 Millionen Navigationsgeräte und 0,71 Millionen MP3-Player sein. Diese Zahlen zeigen deutlich, wie sehr ganze Geräteklassen von Massenmarkt-Produkten in Nischen gedrängt wurden.
 
Der Trend zu vernetzbaren Produkten prägt die klassische Unterhaltungselektronik und lässt die Grenzen zwischen CE sowie Informations- und Kommunikationstechnik weiter verschwimmen – hin zur Connected Consumer Technology. Welche Rolle die „Steuerungszentrale Smartphone“ dabei in den vergangenen 10 Jahren gespielt hat und auch weiterhin spielt, wurde hier nur angerissen. Mehr dazu erfahren Sie im umfassenden Studienbericht „Zukunft der Consumer Technology 2017“.

 

Zukunft der Consumer Technology 2017

Studienbericht Zukunft der Consumer Technology

 

 

Methodikhinweis: Die hier dargestellten Ergebnisse basieren auf repräsentativen Bevölkerungsumfragen von Bitkom Research sowie auf Erhebungen von EITO (European Information Technology Observatory) und der GfK (Gesellschaft für Konsumforschung).

 

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