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Research Spotlight 2015-02: Aus- und Weiterbildung

 

Wearables Die digitale Arbeitswelt ist Gegenstand zahlreicher Forschungsprojekte und Studien. Doch während der Einsatz moderner Technologien und Kommunikationsmittel am Arbeitsplatz vielfach untersucht wird, bleiben die notwendigen Anpassungen in der Aus- und Weiterbildung  weitgehend unbeleuchtet.
 
Mit zwei Befragungen unter Geschäftsleitern und Personalverantwortlichen deutscher Unternehmen leistet Bitkom Research einen Beitrag zum Schließen dieser Lücke: Danach gibt mehr als jedes vierte Unternehmen (29 Prozent) an, dass in Folge der Digitalisierung völlig neue Ausbildungsberufe eingeführt werden müssen. Drei Viertel der Unternehmen (76 Prozent) sind zudem der Meinung, dass der zunehmende Einsatz digitaler Technologien eine inhaltliche Anpassung der bestehenden Ausbildungsberufe erfordert. Gerade einmal 4 Prozent der Unternehmen sagen, dass sich für die Auszubildenden auch in Zukunft nichts ändern muss.

Die Digitalisierung wird nach Einschätzung deutscher Unternehmen jedoch nicht nur die berufliche Ausbildung gravierend verändern. Großer Bedarf wird auch bei der Weiterbildung eigener Fachkräfte zu Digitalthemen gesehen. Drei Viertel (76 Prozent) der Unternehmen geben an, es sei wichtig oder sehr wichtig, dass die eigenen Fachkräfte bei IT-Themen kontinuierlich dazulernen. Lediglich jedes elfte Unternehmen (9 Prozent) erklärt, eine solche Weiterbildung sei überhaupt nicht wichtig. Die größte Bedeutung messen Dienstleistungsunternehmen der Fortbildung ihrer Mitarbeiter bei: 78 Prozent halten diese für wichtig oder sehr wichtig. In der Industrie beträgt der Anteil 75 Prozent, im Handel sind es 70 Prozent.
 
Darüber hinaus geben acht von zehn Befragten (84 Prozent) an, dass ihr Unternehmen ohne Weiterbildung der Fachkräfte für die digitale Arbeitswelt nicht konkurrenzfähig bleiben könne. Hier sieht sich der Handel (93 Prozent) stärker gefordert als die Industrie (83 Prozent) und die Dienstleister (81 Prozent). Ebenfalls acht von zehn Unternehmen (79 Prozent) gehen davon aus, dass diese Weiterbildung unmittelbar zu einer Verbesserung der Produkte und Dienstleistungen beiträgt. Auch hier ist die Zustimmung im Handel am größten (86 Prozent), etwas geringer fällt sie bei Dienstleistern (80 Prozent) und in der Industrie (75 Prozent) aus. 
 
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Zu den Themen, bei denen ein hoher Weiterbildungsbedarf der eigenen Mitarbeiter diagnostiziert wird, zählt die Datenanalyse: Mehr als vier von zehn Unternehmen (45 Prozent) halten es für notwendig, Mitarbeiter in der Datenanalyse zu schulen. Im Branchenvergleich wollen hier vor allem Industriebetriebe ihre Fachleute weiter qualifizieren: 57 Prozent sehen im Bereich der Datenanalyse Weiterbildungsbedarf. Im Handel sind es mit 41 Prozent deutlich weniger, bei Dienstleistern sind es 38 Prozent.
 
Jedes Dritte Unternehmen hält zusätzliche Kenntnisse rund um Social Media und Programmieren (je 35 Prozent) für notwendig. Jedes vierte Unternehmen (26 Prozent) sieht großen Bedarf bei der Fortbildung zu Datenschutz und Datensicherheit, 16 Prozent bei allgemeinen PC-Anwenderkenntnissen. Der Branchenvergleich zeigt, dass der Handel die Prioritäten bei Social-Media-Kenntnissen (54 Prozent) setzt, während Dienstleister (33 Prozent) und Industrie (30 Prozent) hier eher zurückhaltend sind. Bei Dienstleistern haben Programmierkenntnisse (45 Prozent) den höchsten Stellenwert, während die Industrie (28 Prozent) und der Handel (16 Prozent) dort eher geringeren Bedarf sehen.
 
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Über die Vermittlung neuer Inhalte hinaus wird es für Unternehmen allerdings auch von zunehmender Bedeutung sein, die richtigen Formate zur Aus- und Weiterbildung anzubieten. E-Learning-Angebote wie Webinare oder Virtual Classrooms stellen hier durch ihre zeit- und ortsunabhängigen Nutzungsmöglichkeiten insbesondere für die berufsbegleitende Weiterbildung attraktive Lösungen dar. Inwiefern E-Learning-Lösungen in den Unternehmen bereits zur Anwendung kommen, wird Gegenstand zukünftiger Untersuchungen von Bitkom Research sein.

 

Methodikhinweis:

Um die Bedeutung der Digitalisierung für die berufliche Ausbildung zu untersuchen, wurden bundesweit 1.539 Geschäftsführer und Personalleiter von Unternehmen ab 3 Mitarbeitern aller Branchen befragt. Die Umfrage ist repräsentativ für die Gesamtwirtschaft in Deutschland. Die Anforderungen an die Weiterbildung wurden über eine bundesweite Befragung  von 306 Personalverantwortlichen in Unternehmen aller Branchen ab 50 Beschäftigten ermittelt. Die Umfrage ist ebenfalls repräsentativ für die deutsche Gesamtwirtschaft.