Deutsche Wirtschaft zögert bei der Blockchain

13.11.2018 - Deutsche Wirtschaft zögert bei der Blockchain

  • Mehrheit sieht großes Potenzial für Handelsplattformen und Datensicherung
  • 9 von 10 diskutieren aber aktuell nicht einmal über Einsatz der Technologie
  • Unternehmen beklagen fehlende Use Cases und Mangel an Blockchain-Expert

Berlin, 13. November 2018

Die deutsche Wirtschaft sieht große Chancen in der Blockchain, zögert aber noch, die Technologie im eigenen Unternehmen einzusetzen. Vor allem fehlende Anwendungsfälle, der Mangel an Blockchain-Experten sowie rechtliche Unsicherheiten werden dabei als Herausforderungen gesehen. Das ist das Ergebnis einer repräsentativen Umfrage unter 1.004 Unternehmen ab 50 Mitarbeitern im Auftrag des Digitalverbands Bitkom, die heute im Vorfeld des Digital-Gipfels der Bundesregierung vorgestellt wurde.

In Großunternehmen steht Blockchain auf der Agenda

Die Mehrheit der Unternehmen (60 Prozent) hat sich generell überhaupt noch nicht mit dem Thema Blockchain beschäftigt. Gerade einmal jedes achte Unternehmen (12 Prozent) sieht sich selbst dem Thema gegenüber aufgeschlossen. Jedes Elfte (9 Prozent) ist kritisch und ablehnend eingestellt. Entsprechend zögerlich sind die Unternehmen auch beim Praxis-Einsatz der Technologie. 9 von 10 Unternehmen (86 Prozent) haben noch nicht einmal darüber nachgedacht, ob und wie Blockchain genutzt werden könnte. Gerade einmal 2 Prozent diskutieren aktuell den Einsatz, 4 Prozent sind in der Planungs- oder Testphase und bei weiteren 2 Prozent laufen bereits Projekte. Bei den Großunternehmen mit 500 und mehr Beschäftigten sieht das Bild etwas anders aus. Mehr als die Hälfte (54 Prozent) hat sich bereits mit dem Blockchain-Einsatz befasst: Jedes Neunte (11 Prozent) diskutiert darüber, jedes Vierte (26 Prozent) ist in der Planungs- oder Testphase. Und immerhin 17 Prozent geben an, dass bereits Projekte laufen.

Für den Blockchain-Einsatz fehlen Use Cases, Experten und Rechtssicherheit

Die große Mehrheit der Unternehmen verzichtet bislang vollständig auf Blockchain-Projekte, weil sie derzeit keinen praktischen Anwendungsfall, sogenannte Use- oder Business Cases, sehen (88 Prozent). Ebenso viele geben an, dass es dafür an qualifiziertem Personal fehlt. Jeweils 7 von 10 Unternehmen beklagen rechtliche Unsicherheit (72 Prozent) und fehlende Standardisierung (70 Prozent) rund um Blockchain. Zwei Drittel nennen Anforderungen an den Datenschutz (66 Prozent) und an die IT-Sicherheit (64 Prozent) als Hemmnisse. 6 von 10 sagen, dass die Blockchain-Technologie noch nicht ausgereift sei (59 Prozent), jedes dritte Unternehmen (37 Prozent) hält die Investitionskosten für zu hoch.

Unternehmen sehen Anwendungsmöglichkeiten in unterschiedlichen Bereichen

Das größte Potenzial für die Blockchain sehen die Unternehmen beim Einsatz als dezentrale Handelsplattform oder dezentrales Transaktionssystem (70 Prozent). Ein Beispiel dafür sind Kryptowährungen wie Bitcoin. Rund zwei Drittel (63 Prozent) nennen die Möglichkeit, die Aktivitäten aller Partner einer Wertschöpfungskette nachvollziehbar zu gestalten. So lässt sich feststellen, ob das Ersatzteil wirklich vom Original-Hersteller stammt oder das Fleisch in der Kühltheke tatsächlich vom Bio-Rind. Rund jedes zweite Unternehmen geht davon aus, dass mit Blockchain die sichere und transparente Übertragung von Nachweisen über Eigentumsrechte möglich wird (57 Prozent). Damit ließe sich etwa der Kaufvertrag über die Immobilie manipulationssicher auf einer Blockchain speichern, so dass kein Notar mehr erforderlich wäre.

Jene Unternehmen, die Blockchain bereits nutzen, darüber diskutieren oder den Einsatz planen, haben große Erwartungen an die Technologie. Praktisch alle (98 Prozent) gehen davon aus, bestehende Produkte oder Dienstleistungen anpassen zu können. 82 Prozent wollen so gänzlich neue Produkte und Dienstleistungen anbieten. Und zwei Drittel (66 Prozent) geben an, dass sie dank Blockchain neue Geschäftsmodelle entwickeln können.

Kooperationen zur Blockchain: Startups werden außen vor gelassen

Den Weg in die Blockchain-Welt will nur eine Minderheit alleine beschreiten. Rund zwei Drittel (63 Prozent) gehen die Implementierung der Blockchain mit Partnern an. Jedes vierte Unternehmen (27 Prozent) tauscht sich in Branchen- oder Interessenverbänden aus oder hat ein IT-Beratungsunternehmen (25 Prozent) an Bord. Jeweils 12 Prozent kooperieren mit wissenschaftlichen Einrichtungen oder ihren eigenen Zulieferern, nur 3 Prozent mit Wettbewerbern. Gerade einmal 8 Prozent arbeiten rund um die Blockchain mit Startups zusammen.

Bitkom veranstaltet am 3. Dezember, dem ersten Tag des Digital-Gipfels der Bundesregierung, in Nürnberg, erstmals einen Blockchain Business Summit. Erwartet werden mehr als 300 Teilnehmer von Großunternehmen, Mittelständlern und Startups sowie aus Wissenschaft und Politik. Alle Informationen online unter blockchain-business-summit.de.


Hinweis zur Methodik: Grundlage der Angaben ist eine Umfrage, die Bitkom Research im Auftrag des Digitalverbands Bitkom durchgeführt hat. Dabei wurden 1.004 für das Thema digitale Technologien verantwortliche Personen (u.a. Leiter Informationstechnik, Leiter Digitalisierung, technische Direktoren) von Unternehmen aller Branchen mit 50 und mehr Beschäftigten telefonisch befragt. Die Umfrage ist repräsentativ.


Die vollständige Presseinformation des Bitkom finden Sie hier.


Kontakt:
Lukas Gentemann, l.gentemann[at]bitkom-research.de

 

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