Viele Unternehmen haben Datenschutzreform nicht...

22.09.2016 - Viele Unternehmen haben Datenschutzreform nicht auf dem Schirm

  • Bitkom-Studie: 44 Prozent haben sich noch nicht mit der EU-Verordnung beschäftigt
  • Unternehmen müssen zahlreiche Vorgaben in die Praxis umsetzen
  • Fast die Hälfte lässt Personen-Daten von externen Dienstleistern verarbeiten

Berlin, 22. September 2016

Viele Unternehmen sind unzureichend auf die europäische Datenschutz-Grundverordnung vorbereitet. Das hat eine repräsentative Umfrage von Bitkom Research unter 509 Datenschutzverantwortlichen in Unternehmen ab 20 Mitarbeitern ergeben. Demnach ist die Datenschutzverordnung für fast die Hälfte aller Unternehmen in Deutschland (44 Prozent) aktuell kein Thema: 32 Prozent kennen die Reform zwar, haben sich aber noch nicht damit beschäftigt, weitere 12 Prozent haben davon noch nicht einmal gehört. Auf der anderen Seite beschäftigen sich 47 Prozent der Unternehmen mit der Reform und 8 Prozent haben bereits erste Maßnahmen eingeleitet.

Nach den Ergebnissen der Umfrage sind viele Unternehmen organisatorisch nicht optimal auf die Veränderungen vorbereitet: Nur jedes zweite (51 Prozent) verfügt über ein so genanntes Verfahrensverzeichnis, in dem die internen Prozesse bei der Verarbeitung personenbezogener Daten dokumentiert werden.

Aus Sicht des Bitkom entsteht der Wirtschaft ein hoher Aufwand für die Umsetzung der neuen Regelungen. Ein Viertel (26 Prozent) der Unternehmen, die sich bereits mit der Datenschutzverordnung beschäftigt haben, wird zusätzliches Personal für die Anpassung der internen Prozesse bereitstellen. Immerhin 29 Prozent gehen davon aus, dass die Verordnung dauerhaft zu einem Mehraufwand im Vergleich zur aktuellen Rechtslage führt. Knapp zwei Drittel (64 Prozent) werden externe Hilfe in Anspruch nehmen, zum Beispiel für eine Rechtsberatung von Datenschutzexperten.

Jedes vierte Unternehmen (25 Prozent) geht davon aus, dass die Reform viele interne Abläufe komplizierter machen wird und jedes dritte Unternehmen (36 Prozent) ist der Ansicht, dass Innovationen in der Europäischen Union gebremst werden. Auf der anderen Seite begrüßt eine Mehrheit (57 Prozent), dass die Reform zu einheitlichen Wettbewerbsbedingungen in der EU führen wird. Ein Drittel aller Unternehmen (33 Prozent) verspricht sich sogar konkrete Vorteile für sein Geschäft.

Privacy Shield wichtige Rechtsgrundlage für Datentransfers in die USA
Das zweite wichtige Datenschutzthema für die Unternehmen ist die Übermittlung von personenbezogenen Daten in die USA, nachdem der EuGH im Oktober 2015 das Safe-Harbor-Abkommen für ungültig erklärt hatte. Nach den Ergebnissen der Bitkom-Umfrage sind Datentransfers zwischen Unternehmen weit verbreitet. So lassen 42 Prozent der befragten Unternehmen personenbezogene Daten von einem externen Dienstleister verarbeiten. Bei Unternehmen ab 500 Mitarbeitern sind es sogar 68 Prozent. Das kann zum Beispiel der Fall sein, wenn Unternehmen das Gehalt der Mitarbeiter über einen Personal- oder Finanzdienstleister auszahlen lassen. Auch bei Public-Cloud-Lösungen für das Management von Kundenbeziehungen erfolgt die Datenverarbeitung bei einem externen Dienstleister. Auf der anderen Seite verarbeitet ein Drittel der Unternehmen (33 Prozent) selbst Daten im Auftrag anderer Unternehmen. Bei den großen Unternehmen ab 500 Mitarbeitern sind es zwei Drittel (66 Prozent).

Fast alle Unternehmen (94 Prozent), die einen externen Dienstleister mit der Verarbeitung personenbezogener Daten beauftragt haben, lassen diese innerhalb Deutschlands verarbeiten. 36 Prozent lassen Daten in der EU verarbeiten und 8 Prozent außerhalb der EU (ohne die USA). Nur 4 Prozent geben an, dass Daten in den USA verarbeitet werden. Daneben versenden international agierende Unternehmen Daten innerhalb der eigenen Organisation an Standorte in anderen Ländern. Das können zum Beispiel Personal- oder Kundendaten sein, die zwischen einer Niederlassung und der Zentrale ausgetauscht werden. Laut Umfrage übermittelt knapp jedes zehnte Unternehmen (9 Prozent) Daten innerhalb der eigenen Organisation in die USA, bei den Unternehmen ab 500 Mitarbeitern ist es jedes dritte (33 Prozent).


Hinweis zur Methodik: Grundlage der Angaben ist eine repräsentative Befragung, die Bitkom Research im Auftrag des Digitalverbands Bitkom durchgeführt hat. Dabei wurden 509 für den Datenschutz verantwortliche Personen (Betriebliche Datenschutzbeauftragte, Geschäftsführer, IT-Leiter) von Unternehmen aller Branchen ab 20 Mitarbeitern in Deutschland befragt.


Die vollständige Presseinformation des Bitkom finden Sie hier.


Kontakt:
Christopher Meinecke, c.meinecke[at]bitkom-research.de

 

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Bitkom Charts PK Privacy Conference 22 09 2016.pdf