Digitale Schule

Research Spotlight 2020-02: Digitale Schule

Die Corona-Krise stellt Schüler, Lehrer und Eltern vor eine große Herausforderung und die digitale Infrastruktur der Schullandschaft auf die Probe. Digitale Technologien und Angebote prägten den Alltag der letzten Wochen und haben für die Zukunft einen Anstoß erfahren, den sich Schüler bereits vor der Krise gewünscht haben.

Investitionen in digitale Technologien und deren Anwendung haben für die Schüler oberste Priorität – und sind sogar noch wichtiger als andere drängende Herausforderungen. So ist für sechs von zehn (59 Prozent) der fehlende Einsatz digitaler Medien das dringlichste Problem an ihrer Schule. Auch eine schlechte technische Ausstattung wird von mehr als der Hälfte (56 Prozent) beklagt. Erst danach kommen andere Probleme wie Unterrichtsausfall (42 Prozent), überfüllte Klassen (38 Prozent), baufällige Schulgebäude (18 Prozent), die Umgangsformen der Schüler untereinander (43 Prozent), veraltete Lehrinhalte (29 Prozent) und aus Sicht der Schüler inkompetente Lehrer (22 Prozent).

Digitale Medien machen den Unterricht interessanter, wenn sie denn da sind und zum Einsatz kommen

Jeweils drei Viertel der Schüler beurteilen die Auswahl an digitalen Lernangeboten als zu gering (77 Prozent) und halten die technischen Voraussetzungen für die Verwendung digitaler Lernangebote an ihrer Schule für verbesserungswürdig (75 Prozent). Die Schüler wünschen sich, dass sie von der Schule mit IT ausgestattet werden. 85 Prozent meinen, jeder Schüler sollte ein mobiles Endgerät, etwa einen Laptop oder ein Tablet, zur Verfügung gestellt bekommen. Eine Mehrheit (54 Prozent) würde Schulbücher am liebsten durch digitale Angebote ersetzen.

Ihren Lehrern stellen die Schüler in puncto Digitales ein überwiegend positives Zeugnis aus. Jeder Fünfte (21 Prozent) erkennt im Großteil seiner Lehrer Technik-Fans. Sechs von zehn (58 Prozent) sagen, ihre Lehrer stehen digitalen Medien überwiegend positiv gegenüber. Nur jeder Elfte (9 Prozent) meint dagegen, die Lehrer seien gegenüber digitalen Medien eher zurückhaltend. Und dass der Großteil der Lehrer digitale Medien grundsätzlich sehr kritisch sieht, meinen gerade einmal 7 Prozent.

Dennoch urteilt jeder Zweite (51 Prozent), viele Lehrer hätten keine Lust, digitale Medien im Unterricht einzusetzen. Dabei sind die Schüler von den Vorzügen überzeugt. Nahezu alle (93 Prozent) sagen, digitale Medien machen den Unterricht interessanter. Drei Viertel (73 Prozent) sehen den Vorteil, dass durch den Einsatz digitaler Medien besser auf die individuellen Bedürfnisse einzelner Schüler eingegangen werden kann, etwa mit adaptiven Lernformaten und stärker an den persönlichen Lernfortschritt angepassten Lerninhalten. Sechs von zehn (60 Prozent) sagen von sich, Lehrinhalte durch digitale Medien besser und schneller zu verstehen. Demgegenüber stehen nur 6 Prozent, die sich einen Unterricht ohne digitale Medien wünschen.

Vertrauen ist gut, gut geschult ist besser

Gerade das Internet ist aus dem Schulalltag nicht wegzudenken – nahezu jeder Schüler/ jede Schülerin (99 Prozent) recherchiert für Hausaufgaben oder zur Unterrichtsvorbereitung online Informationen. Dabei prüfen acht von zehn (83 Prozent) auch die Qualität der Informationsquelle. 57 Prozent suchen gezielt nach weiteren Quellen, die die Informationen bestätigen. 55 Prozent informieren sich über die Quelle selbst. 28 Prozent holen sich Rat von Freunden oder in der Familie. 23 Prozent geben an, sich bei der Informationssuche nur auf bekannte Websites zu beschränken. Und 17 Prozent recherchieren, ob die Quelle in anderen Beiträgen zitiert wurde.

Wenn es um den Wahrheitsgehalt von Informationen bzw. Informationsquellen geht, bringen Schüler Online-Enzyklopädien wie Wikipedia (76 Prozent) das größte Vertrauen entgegen. Auch Suchmaschinenergebnisse (63 Prozent) und Soziale Netzwerke beziehungsweise Messenger (58 Prozent) werden überwiegend als vertrauenswürdig eingestuft. Unter journalistischen Online-Medien werden Nachrichten-Webseiten oder -Apps von Fernsehsendern als am vertrauenswürdigsten (66 Prozent) eingestuft.

Nach Personen gefragt, genießen Familienangehörige (91 Prozent) und Lehrer (73 Prozent) das größte Vertrauen. Auch Wissenschaftler (61 Prozent) haben einen guten Stand. Jeder Zweite (47 Prozent) hält Profi-Sportler für vertrauenswürdig, jeder Dritte (34 Prozent) Journalisten. Vertreter staatlicher Institutionen (21 Prozent) rangieren auf einer Stufe mit Influencern (19 Prozent), abgeschlagen am Ende liegen Politiker (8 Prozent) und Top-Manager in der Wirtschaft (7 Prozent).

Heute ist es wichtig, sich selbstständig und selbstbewusst in der digitalen Welt zu bewegen. Aktuell werden den Schülern nach eigenen Angaben vor allem Kenntnisse und Fähigkeiten zur Nutzung des Internets für Recherchen (88 Prozent), zur richtigen Anwendung von Programmen (79 Prozent), zum richtigen Verhalten in Chats und Sozialen Netzwerken (75 Prozent) sowie zum Datenschutz im Internet (72 Prozent) vermittelt.

Und welche Lehrinhalte rund um digitale Medien und Internet sind gewünscht? Schüler interessieren sich vor allem für rechtliche und moralische Fragen. Drei Viertel (74 Prozent) finden, dass rechtliche Grundlagen im Internet, etwa das Urheberrecht, eine stärkere Rolle im Unterricht spielen sollten. Zwei Drittel (65 Prozent) wünschen sich eine verstärkte Vermittlung richtigen Verhaltens in Chats und Sozialen Netzwerken, sechs von zehn (58 Prozent) wollen das Thema Datenschutz intensiver behandeln.

Zukunftsaussichten (vor Corona): IT-Nachwuchs und Tablets für alle?

Beim Blick in die Zukunft zeigten sich die Schüler Anfang des Jahres eher zurückhaltend: Sechs von zehn (60 Prozent) glauben, dass bis 2030 jedem Schüler ein Tablet zur Verfügung steht. Vier von zehn (43 Prozent) erwarten, dass Klassenarbeiten dann nur noch digital bearbeitet werden. Drei von zehn (30 Prozent) rechnen damit, dass es keine klassischen Schulfächer mehr geben wird.

Eine Karriere in Technik-Berufen kann sich etwa jeder zweite Schüler (47 Prozent) vorstellen. Im technischen Berufsfeld ist der Ingenieur am gefragtesten (25 Prozent), gefolgt vom Naturwissenschaftler (22 Prozent) und der IT-Fachkraft (15 Prozent).

Jeder dritte Schüler (36 Prozent) hat konkrete Vorbilder im IT-Bereich. Am populärsten bei den Schülern mit IT-Vorbildern sind Bill Gates und Mark Zuckerberg (jeweils 18 Prozent). Dahinter werden am häufigsten die eigenen Eltern (13 Prozent) und Influencer (12 Prozent) genannt.

 

Hinweis zur Methodik: Grundlage der Angaben ist eine Umfrage, die Bitkom Research im Auftrag des Digitalverbands Bitkom durchgeführt hat. Im Januar und Februar 2020 wurden dabei 503 Schüler im Alter zwischen 14 und 19 Jahren an weiterführenden Schulen in Deutschland, telefonisch befragt.  Die Umfrage ist repräsentativ.

Bettina Mütze
Bettina Lange
Senior Research Consultant
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