Open Source Monitor 2020

Research Spotlight 2020-01: Open Source Monitor

Open-Source-Software prägt den Alltag vieler Menschen – meist ohne, dass sie es wissen. Das Internet, wie wir es kennen und täglich nutzen, würde ohne Open-Source-Software ebenso wenig funktionieren wie die meisten Smartphones. Aber Open-Source-Software wird bereits heute von den meisten größeren Unternehmen bewusst eingesetzt. Das hat eine Umfrage von Bitkom Research unter mehr als 800 Unternehmen mit 100 oder mehr Mitarbeitern in Deutschland im Auftrag des Digitalverbands Bitkom mit Unterstützung von neun Partnern ergeben.

Die Lizenz von Open-Source-Software erlaubt es, die Programme frei auszuführen, den Quellcode zu analysieren und anzupassen sowie die Software auch in modifizierten Varianten weiterzugeben. Eine Voraussetzung dafür ist, dass der Quellcode der Software offen zugänglich ist. Drei Viertel der Unternehmen (75 Prozent) bezeichnen sich selbst an Open Source interessiert und dem Thema gegenüber als aufgeschlossen. Nur 4 Prozent sagen, dass sie Open Source grundsätzlich kritisch sehen oder ablehnen. Jedes Fünfte (19 Prozent) ist noch unentschieden. Und schon heute gibt nur jedes vierte Unternehmen (27 Prozent) ab 100 Beschäftigten an, Open Source nicht zu nutzen. Zwei Drittel (69 Prozent) setzen dagegen bewusst Open-Source-Software ein.

Unternehmen sehen sowohl Vor- als auch Nachteile von Open-Source-Software

Neun von zehn Unternehmen (88 Prozent) ab 100 Mitarbeitern sehen Vorteile beim Einsatz von Open-Source-Software. Fragt man nach dem wichtigsten Vorzug, so nennen 17 Prozent Kosteneinsparungen, da keine Lizenzgebühren anfallen. Mit etwas Abstand folgen eine Vielzahl weiterer Gründe wie hohe Sicherheit durch zeitnahe Updates und Unabhängigkeit von einzelnen Software-Anbietern (je 9 Prozent) sowie die breite Auswahl an Open-Source-Komponenten, der Zugriff auf den Quellcode und einfache individuelle Anpassungen an der Software (je 7 Prozent). Daneben gelten offene Standards (6 Prozent), die Kompatibilität zu weiteren eingesetzten Tools und eine aktive Community für den Wissensaustausch (je 5 Prozent) als entscheidende Vorteile von Open Source. Die Ergebnisse zeigen, Unternehmen nutzen schon lange nicht mehr allein deshalb Open Source, weil sie kostenlos ist, sondern weil sie viele weitere Vorteile bieten kann – von mehr Sicherheit bis zur einfachen Individualisierung der Software.

Allerdings sehen auch 8 von 10 größeren Unternehmen (79 Prozent) Nachteile beim Einsatz von Open Source. Als größten Nachteil nennen dabei 12 Prozent fehlende Fachkräfte, also Experten im Unternehmen, um zum Beispiel die Software an den individuellen Bedarf anzupassen und weiterzuentwickeln. Dahinter folgen mangelnde Akzeptanz im Unternehmen (7 Prozent) sowie die unklare Gewährleistungssituation, fehlende Schulungsangebote, fehlende Lösungen für den eigenen Anwendungsfall, die aufwändige Umstellung von der bisherigen Software auf Open Source sowie eine zu große und damit unüberschaubare Auswahl an Open-Source-Lösungen (je 6 Prozent). 5 Prozent beklagen zudem einen hohen Schulungs- und Einarbeitungsaufwand.

Aktive Beteiligung wichtig für die Entwicklung von Open-Source-Software

Open-Source-Software lebt von der aktiven Beteiligung der Anwender an der Entwicklung und Weiterentwicklung der Software. Grundlage eines erfolgreichen OSS-Projektes bildet eine aktive OSS-Community, die kollaborativ an den Projekten arbeitet. Rund jedes dritte größere Unternehmen in Deutschland (31 Prozent) beteiligt sich heute bereits an der Entwicklung von Open-Source-Software. Rund die Hälfte der Unternehmen (55 Prozent), die an Open-Source-Projekten mitwirken, erlaubt einzelnen Mitarbeitern oder Teams sich zu beteiligen. 39 Prozent sind zahlendes Mitglied oder Sponsor von Open-Source-Organisationen. Jedes vierte Unternehmen (24 Prozent) initiiert und begleitet aus dem Unternehmen heraus eigene Projekte für die Open-Source-Community und 15 Prozent stellen von eigenen Entwicklern veränderten Open-Source-Quellcode wieder der Community zur Verfügung.

Die Unternehmen, die sich an Open-Source-Projekten beteiligen, handeln dabei nicht ausschließlich selbstlos. 9 von 10 (86 Prozent) geben an, dadurch Geld zu sparen, 4 von 10 (38 Prozent) können so Personal einsparen. Aber eine klare Mehrheit fühlt sich auch dem Open-Source-Gedanken verpflichtet. Jeweils rund zwei Drittel sagen, dass die Mitwirkung Teil des eigenen Open-Source-Verständnisses (67 Prozent) und ein wichtiger Bestandteil der Shared Economy (62 Prozent) ist. Jedes zweite Unternehmen (54 Prozent) hofft durch die Mitarbeit an Open Source bei aktuellen Trends und Themen auf dem Laufenden zu bleiben. Fast genauso viele begründen ihr Engagement mit Verweis auf die eigenen Mitarbeiter. Diese würden dadurch motiviert (48 Prozent) oder könnten sich weiterbilden (47 Prozent). Immerhin 8 Prozent geben an, dass sie durch ihr Open-Source-Engagement neue Talente anwerben. Für jedes dritte Unternehmen (31 Prozent) ist die Mitwirkung an Open Source Teil der eigenen Innovationsstrategie.

Die Ergebnisse sind im „Open Source Monitor 2019“ zusammengefasst, der kostenlos zum Download zur Verfügung steht. Damit soll erstmals ein Überblick gegeben werden, wie stark Open Source bereits in Deutschland genutzt wird und in welchem Umfang sich die Unternehmen an der Weiterentwicklung von Open Source beteiligen. Darüber hinaus bietet der Studienbericht einen Überblick darüber, welche Rolle Open-Source-Software in unterschiedlichen Branchen wie Automobilindustrie, Handel, Banken & Versicherungen, Verkehr & Logistik sowie IT & Telekommunikation spielt.

Bald auch auf Englisch verfügbar: Unter diesem Link finden Sie den Bericht in Kürze auch auf Englisch. Oder: Lassen Sie uns wissen, dass Sie sich dafür interessieren und wir informieren Sie, sobald der Bericht vorliegt.

Hinweis zur Methodik: Grundlage der Angaben ist eine repräsentative Umfrage, die Bitkom Research im Auftrag des Digitalverbands Bitkom durchgeführt hat. Dabei wurden 804 Unternehmen ab 100 Mitarbeitern in Deutschland telefonisch befragt. Die Umfrage wurde im Rahmen des Projektes „Open Source Monitor 2019“ durchgeführt, das unterstützt wird von Boehmert & Boehmert, DataStax, Osborne Clarke, PricewaterhouseCoopers, Red Hat, SAP, SUSE, Synopsys Software Integrity Group und TU Berlin (FG Innovationsökonomie).

Lukas Gentemann
Lukas Gentemann
Senior Research Consultant
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